Die Inanspruchnahme des Vorsteuerabzugs setzt den Besitz einer ordnungsgemäßen Rechnung voraus. Wann eine Rechnung das Prädikat “ordnungsgemäß“ verdient, bestimmt sich nach den §§ 14, 14a UStG. Eine Rechnung muss demnach u.a. die vollständige Anschrift des leistenden Unternehmers und des Leistungsempfängers enthalten (§ 14 Abs. 4 Nr. 1 UStG).


Die Fakten:

Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 22.7.2015 (V R 23/14) entschieden, dass die Angabe lediglich einer Postfachadresse des leistenden Unternehmens oder des Leistungsempfängers auf einer Rechnung dem Merkmal “vollständige Anschrift“ nicht genügt.

Die korrekte Anschrift ist immer die, unter der ein Unternehmer seine wirtschaftliche Tätigkeit tatsächlich entfaltet. Findet an der angegebenen Anschrift zum Zeitpunkt der Rechnungsstellung keine wirtschaftliche Aktivität statt ist die angegebene Anschrift als zutreffende Anschrift nicht ausreichend. In der Folge wäre der Vorsteuerabzug zu verwehren!

Mit dieser Entscheidung erteilt der Bundesfinanzhof der bisherigen Verwaltungsmeinung, die Angabe einer Postfachadresse sei ausreichend, eine deutliche Absage. Wie die Finanzverwaltung nun mit der Sache umgeht, wird auch wesentlich davon abhängen, wie eine aktuell beim Bundesfinanzhof anhängige Revision (V R 25/15) gegen ein Urteil des Finanzgerichts Köln (Urteil vom 28.4.2015, 10 K 3803/13) ausgeht. Das Finanzgericht hatte den Vorsteuerabzug aus einer Rechnung zugelassen, die nur einen Briefkastensitz enthielt.

Da der Ausgang des oben genannten Revisionsverfahrens allerdings voraussagbar erscheint, empfiehlt sich für betroffene Unternehmer eine kritische Prüfung und gegebenenfalls eine Korrektur der eigenen Rechnungsangaben. Beim Rechnungseingang sollte ebenfalls darauf geachtet werden, dass der Rechnungssteller keine Postfachadresse als Anschrift angegeben hat. Sollte dies der Fall sein, gilt es die Rechnung korrigieren zu lassen um einen risikolosen Vorsteuerabzug vornehmen zu können.


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Tobias Stöhr, Steuerberater, Tel. 0271 / 8800-50 / tobias.stoehr@8p.de